Haben die Römer wirklich mit Urin gewaschen?
Im antiken Rom wurde menschlicher Urin als Waschmittel für Kleidung verwendet.
Urin enthält Ammoniak, ein natürliches Reinigungsmittel, das Fett und Flecken löst. Römische Wäscher sammelten Urin aus öffentlichen Toiletten, um damit wollene Togen zu bleichen und zu reinigen.
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Im antiken Rom wurden professionelle Wäscher <i>fullones</i> genannt. Sie arbeiteten in Betrieben, den sogenannten <i>fullonicae</i>. Überreste dieser Werkstätten lassen sich heute noch in den Ruinen von Pompeji besichtigen. Urin war aufgrund des enthaltenen Harnstoffs eine wertvolle Ressource. Wenn Urin längere Zeit steht, wandelt er sich in Ammoniak um. Ammoniak hat einen hohen pH-Wert, wodurch er Öle und organischen Schmutz effektiv auflösen kann. Zur Reinigung mischten die Arbeiter den abgestandenen Urin mit Wasser und einer speziellen Tonerde. Sie standen in großen Bottichen und stampften rhythmisch auf der Kleidung herum, um die Mischung in das Gewebe einzuarbeiten – ein Vorgang, der als <i>saltus fullonicus</i> bekannt war. Der Bedarf an Urin war so groß, dass Kaiser Vespasian im 1. Jahrhundert n. Chr. eine Urinsteuer einführte. Wer Urin aus öffentlichen Leitungen sammelte, musste Abgaben an den Staat leisten. Als sein Sohn sich über die Steuer beschwerte, prägte der Kaiser den berühmten Satz: „Geld stinkt nicht“ (<i>Pecunia non olet</i>). Nach dem Einweichen im Urinbad spülten die Arbeiter die Kleidung in klarem Wasser aus. Gelegentlich wurde brennender Schwefel genutzt, um den Stoff zusätzlich zu bleichen. Bis zur Erfindung moderner Seifen war dies die effektivste Methode, um schwere Wolle zu reinigen.
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FP-0002698 · Mar 22, 2026